Bis zur Abfahrt nach Hinterzarten waren nur noch zwei Wochen und wir alle freuden uns auf die Abschlußfahrt.

Dann war es soweit und wir standen mit unseren Koffern vor dem Bus und stiegen, nachdem diese im Gepäckraum verstaut waren, ein. Es war das erste Mal, daß ich längere Zeit weg war und dieses mal nicht bei Verwandten blieb. Ein leichtes Prickeln durchfuhr mich es war richtig aufregend.

Bis Stuttgart hatten wir Regen und im Schwarzwald fing es an zu schneien, toll, wir waren begeistert, außer unserem Fahrer. Wir wurden so langsam wach, Uschi und ich, hatten eine Weile erzählt und dann bin ich eingeschlafen. Sie weckte mich als es zu schneien anfing. Um etwas Ruhe für den Fahrer zu schaffen, mußten wir einige Lieder singen und einen Quiz durchführen und dann waren wir da.

Es war ein schönes Ferienhaus mitten im Schnee, groß genug für die Klassen, die regelmäßig dorthin fuhren. Mir hat der Baustil gut gefallen und auch die Lage. Es war außerhalb von Hinterzahrten und in der Runde war ein schönes Stück Natur, was im Augenblick dabei war sich mit Schnee zu bedecken.

Die Zimmer hatten zwei, vier oder sechs Betten, einen Tisch mit Stühlen und Schränke und Heizung, wichtig. Uschi und ich waren in einem Zimmer mit vier Betten aber wir hatten einen guten Draht zu den anderen zwei. Kaum hatten wir unsere Koffer entleert wurden wir zum Abendessen gerufen, zur Mittagszeit hatten wir an einer Autobahnraststätte in einem kleinen Saal gegessen.

Es war schön kalt und viel Schnee hatten wir in dieser Woche, wir machten Ausflüge zum Titisee, Schauinsland und Hinterzarten. In Hinterzarten wohnt ein bekannnter Schiläufer und einer meiner Klassenkamaradinen entdeckte ihn, sie wollte ein Autogramm und als er nicht sofort reagierte stellte sie sich mit beiden Füssen auf seine Schi und hinterte ihn damit weiter zu laufen. Ein Lächeln ging über das Gesicht unserer Lehrerin, trotzdem bekam Waltraud einen Anschiß, weil sie sich ohne zu fragen aus der Gruppe entfernt hatte.

Die Woche flog vorbei und kaum angekommen sassen wir schon wieder im Bus zur Rückfahrt. Schade es war schön, wir hatten endlich ein bißchen mehr Gelegenheit, losgelöst aus unserer gewohnten Umgebung, uns mit unseren Kameraden zu unterhalten.

Seltsam wie sich Menschen verändern, wenn sie etwas weiter von daheim weg sind.

Ochsenbrunnen

Hier war lange Zeit unsere Treffpunkt und Spielplatz, der Ochsenbrunnen.

Auf der Heimfahrt waren wir ziemlich aufgedreht und unserer Lehrerin hatte alle Mühe uns auf den Plätzen zu halten. Als wir die Schwarzwaldhochstraße, mit ihrem herrlichen Ausblick, abwärts fuhren kehrte so langsam wieder Ruhe ein. Wir freuden uns auf zu Hause mehr oder weniger. Ursula erzählte mir jetzt schon fünften Mal, daß ihr neuer Freund sie heute abend besuchen will. Nach dem Mittagessen auf einer Raststätte der Autobahn schlief sie dann auch ein, weil sie sich ausruhen wollte. Ich hatte mir eine Zeitschrift geliehen und fing an das Kreuzworträtsel zu lösen.

Eine ‘Bravo’ war auch in giro und landete bei mir. Ich wollte vor allen wissen wie die Hitparade aussah und wie der Bilderroman weitergegangen ist. Dieses mal war auch ein Test drin: *Wie sexy bis Du*? Also ich testete mich, das Ergebnis war ernüchternd, schweigen wir darüber, über den Kamerad für gute und schlechte Zeiten bin ich nicht hinausgekommen. Aber…’ vielleicht gewinnen wir wenn wir verlieren solange wir getan haben was wir können, dafür das wir das getan haben, haben wir zumindest einen gewissen Teil des Endprodukts geschafft um das wir uns am meisten Sorgen machen: uns selbst…’(Learned Hand).

Ich weiß nicht je näher wir Mainz kamen je ruhiger wurde ich. Ich habe mich wohlgefühlt in diesem einsamen, abgelegenen Haus. Wir haben zwar viel Unsinn gemacht, hatten aber genug Zeit für uns. Ich hatte mir ein Buch, Die Schatzinsel, für die langen Abende mitgenommen, die Beine an die Heizung gelegt und es in dieser Woche gelesen. Das einzige was mich unterbrochen hatte, war wenn ein Mitspieler zum Spielen von Dame, Mensch-ärger-dich-nicht oder Halma gefehlt hatte. Wir waren aber immer noch eine große Klasse von Mädels, also kam es nicht oft vor.

Ich habe eigentlich niemand vermißt, reden brauchte ich eigentlich nicht viel, die Anderen hatten genug zu sagen. Trotzdem waren ab und zu die Diskussionen in unserem Zimmer recht interessant. Dabei ging es vor allem um unserer Eltern und Geschwister. Wir waren der Nachkriegsjahrgang und meine Mitstreiter im Zimmer hatten alle Eltern, die wesentlich Älter wie meine waren. Trotzdem was mir dabei auffiel, daß ich eigentlich nicht von meinen Eltern erwartete, daß sie mich verstehen. Verständnis für die Jugend seiner Tochter, die Anfing ihr eigenes ‘Ich’ zu entdecken. Meine Eltern waren selbst jung und kämpften mit sich und ihren eigenen Problemen. Wo die Eltern der Mädchen versuchten auf die Tochter einzugehen und zu verstehen was mit ihr los war, gab es bei mir zu Hause nur Befehl und Gehorsam.

Ich muß dazu sagen, daß meine Eltern wirklich ernste Pobleme hatten und selbst mit der totalen Veränderung ihres Lebens zu tun hatten.

Wir Kinder, drei Mädchen und ein Junge waren da und hatten eben dies so zu nehmen wie es im Augenblick war. Wir mußten etwas tun für unser tägliches Brot, früher war es auf dem Feld und im Moment wurden die täglichen Aufgaben im Haushalt auf uns Kinder aufgeteilt.