Das Halbjahreszeugnis kam und ich war mit mir zufrieden, kann man wohl sagen, ich wurde Klassenbeste und klopfte mir auf die Schulter. Als Belohnung von der Schule, bekamen die Besten aus dem Kreis Wiesbaden eine Reise nach Berlin geschenkt, war das vielleicht nichts, toll? Ich wußte nichts von diesem Preis und es hatte auch wohl keiner damit gerechnet, daß ich so ende.
Vorher war aber noch eine Klassenausflug nach Hinterzarten mit unserer Lehrerin Frau Axler auf dem Plan und das war im Winter.
Jetzt waren aber erst mal Ferien und ich dachte weder an das eine noch an das andere. Ich half meiner Oma im Garten und wie immer wenn es fast dunkel war kam der Satz….wir müssen noch gießen. Also Gießkanne geschnappt und an den Bach zum füllen. Manchmal haben mein Bruder, Norbert, mein Cousin, Franz und ich auch Fußball gespielt. Ich war im Tor und zum Glück hatte es nicht die normale Größe.
Mein Bruder war später dann bei der Jugend von den Kastelern Fußballern, trotz dem Widerstand meines Vaters, der gegen jeden Verein war. Er hatte die Kriegszeit immer noch nicht verarbeitet. Er war in der Hitlerjugend und sehr sportlich, eins in Sport fünf in Mathe, ich weiß nicht, er hat nie darüber gesprochen aber seine Erfahrungen müssen mehr wie negativ gewesen sein und er hat alles in sich vergraben.
Mein Bruder, Franz, Norbert und ich haben gemeinsam so manche Jugendstreiche ausgeführt und Spiele gespielt. Ein paar Jahre früher habe ich mal Indianerzelte gebaut und wir spielten mit Ausdauer dieses Spiel. Ich hatte dafür eine Menge Kartoffelsäcke von der Genossenschaft zerschnitten und vernäht, dazu hat mein Vater nichts gesagt. Nachdem wir von der Presse fotografiert worden sind, Wiesbadener Kurier, mußten wir sogar gegen die Indianer vom Fort Biehler auf den Kriegspfad gehen. Dabei hat mir einer mit seinem Tomahawk an der Hand verletzt. Ich bin zu meinem Vater mit der blutenden Hand gerannt, der hat sie dann vescheucht. Sie haben sich in einem Werkzeugschuppen versteckt, blöd wie sie waren, das war wie eine Falle und mein Vater hat sie nicht mehr rausgehen lassen, ohne daß sie zusichern uns in Ruhe zu lassen.
Die Ferien waren am zu Ende gehen und so ziemlich am letzten Tag habe ich meine Periode bekommen, ich wurde erwachsen. Ich habe sie immer gehaßt, aber so ist die Natur.
Als wir wieder in der Schule waren, gab es einige Neuigkeiten. Die erste war, daß die Schuljahre auf neun verlängert wurden und alle jetzt mindestens 12 Jahre in die Schule gehen mußten. Der Schulanfang wurde vom Frühjahr auf den Herbst verlegt, das heißt nach den Sommerferien fing das neue Schuljahr an. Was aber weitaus schlimmer war, Frau Axler hatte endlich einen Mann gefunden, heiratete und verließ bald die Schule. Sie versammelte uns um sich und brachte es uns schonend bei…blöde Frage von mir:’…und was machen sie mit Ihrem Haus?’ Sie hatte uns mal mitgenommen, sie wohnte in den Bergen hinter Eltville mit einem tollen Blick über das Rheintal. Der Mann lebte aber in Frankfurt und da würde sie wohl auch hinziehen.
Wir verbrachten die Wochen, die uns blieben bis wir nach Hinterzarten abfuhren mit eifrigen Lernen und ab und zu auch nachdenklichen Momenten. Wir mußten unsere ersten Bewerbungen schreiben und Nachmittags bei den Firmen vorstellig werden die Lehrlinge suchten.
Ein Tag wurde ich zum Rektor zitiert, ich war mir keiner Sache bewußt oder? Ungeduldig wartete ich bei seiner Sekretärin, die scheißfreundlich war, verdächtig? Es ging um die Reise nach Berlin, zum Glück, den Termin. Ich dachte schon es ging um den letzten Scherz von mir in der Küche.
Wir hatten alle zwei Wochen samstags Kochunterricht und ich war Tischmutter von meiner Gruppe. Im Sinne der Emanzipation hatten die Jungs Werken und die Mädchen Kochen mit Ausnahmen, aber nur von der Seite der Jungs. Da gab es zwei Jungs die Koch lernen wollten und die kochten mit uns und einer war in meiner Gruppe, der durfte die Zwiebeln, Kartoffeln schälen und all das was ich als unangenehm empfand. Wir waren immer fünf in einer Gruppe und wir erlaubten uns einige Scherze mit den Herren der Schöpfung. Na, und letzte Woche hatten wir Freddy, so richtig schön auflaufen lassen.
Uschi und ich schrieben unsere Bewerbungen und die Berater vom Arbeitsamt sahen mit uns die Unterlagen nochmal durch. Wir bekamen Adressen von Firmen die Lehrling, Auszubildende, suchten und nachdem wir auch unseren Lebenslauf in der Schule geschrieben und korrigiert hatten, gingen wir auf die Firmen los.

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