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Meine erste Firma, die Adresse hatte ich vom dem Berater des Arbeitsamts, stellte mir meinen Beruf als Tankwart so vor:

‘…Ich müßte mir vorstellen, daß ich bei Wind und Wetter draußen bin, es wird heiß im Sommer und kalt im Winter, die Autos sind dreckig und der Diesel und das Benzin riecht nicht gut, die Kleidung würde den Geruch aufnehmen und überhaupt ein Mädchen wildfremden Männern ausgesetzt, er konnte sich das bei sich an seiner Tankstelle nicht vorstellen…’

Was sollte ich dazu sagen, ich nahm meinen mit viel Mühe geschriebenen Lebenslauf und Halbjahreszeugnis und ging beeindruckt davon.

Uschi hatte mehr Erfolg und hatte schon eine Lehrstelle in Aussicht. Einigen meiner Klasse ging es aber ähnlich. Aber wir waren ein geburtenschwacher Jahrgang und in dieser Zeit bildeten die Firmen noch aus und warben sogar die Lehrlinge von anderen Firmen ab.

Die nächsten Adressen von Firmen bekamen wir erst im kommenden Monat, weil unsere Abschlußfahrt nach Hinterzarten kurz bevorstand. Wir hatten wieder einmal Kochen und was mich total überraschte, Freddy unser Junge in der Gruppe machte mich an. Er wollte mein Freund sein, er mußte viel gewöhnt sein. Wir kochten jetzt mit meiner Gruppe schon fast ein Jahr zusammen und ich hatte nichts ausgelassen. Na warum nicht, wir wurden Freunde.

Er kam oft zu uns nach Hause und meine Mutter hatte von Anfang an ein ganz besonderen Draht zu ihm, die zwei konnten über alles reden. Er war der Kleine in der Familie, die ich erst viel später kennengelernt habe, seinen Vater allerdings nie, der ist früh gestorben. Seine Mutter war schon ein älteres Semester und anscheinend konnter er mit ihr nicht. Auf jedenfall hatten wir eine lockerer, lustige und freundschaftliche Beziehung, selten habe ich so gelacht wie über ihn, mit Liebe hatte das allerdings nichts zu tun und er ging mir ab und zu ganz schön an die Nerven mit seiner fast dauerhaften Anwesenheit.

Volker hatte ich inzwischen ein paarmal gesehen aber es war vorbei, die Zeit heilt die Wunden.

Mit Uschi und Michael ist es auch nichts geworden. Michael wollte seine Freundin, die er hatte, behalten. Ich konnte es schlecht sagen, zu Uschi, aber ich fand es von Michael einen tollen Zug, fair play. Sie war die erste Zeit sauer bis geht nicht mehr, aber sie erholte sich schon wieder. Durch ihren Bruder hatte sie einen Jungen getroffen, für den schwärmte sie im Moment. Ich kannte ihn nicht, mußte ein cooler Typ sein nach ihrer Beschreibung.

Meine Schwester wechselte auch andauernd ihre Favoriten, aber sie hatte keinen schlechten Erfolg. Im Gegensatz zu mir bildete sich bei ihr auch alles recht gut aus. ‘…Zwei Linsen auf ein Brett genagelt…’ so mein Vater, beschreibt meine Figur am Besten, hätte ich kurze Haare gehabt, wäre ich öfters mit einem Jungen verwechselt worden. Maria stand mit ihren Freundinnen immer in der Mitte des Schulhofes am Brunnen und sie beobachteten die Jungs, die ihnen gefallen haben…Geschmackssache, sagte der Affe, als er in die Seife biß. Aber die Gruppe von Freundinnen hatte durchweg alle Voraussetzungen bei dem anderen Geschlecht anzukommen, da gehörte auch Angelika dazu, die mir Volker ausgespannt hatte.

Meine Schwester vor der Rheinbrücke
Meine Schwester am Rhein 1966, die Brücke verbindet Mainz-Kastel mit Mainz.

Es wurde kalt und auf meinem Rad bekam ich kalte Ohren, wenn ich durch die Prärie fuhr. Zum Aufwärmen ging ich zu meiner Oma und steckte die Beine in den Backofen von dem Herd, der mit Holz oder Kohle betrieben wurde. Zu dieser Zeit hatte ich mit meinem linken Bein noch Probleme, was sich aber dann gegeben hat, kam durch das Wachstum.

Ich hatte mit drei Jahren einen bößen Unfall, mein Vater ist mit der Schneidemaschine für den Klee über mich gefahren, weil er mich hinter dem Pferd hergehend, im Klee nicht gesehen hatte. Mein Bein war durchgetrennt und hing nur noch an den Sehnen. Durch die schnelle Hilfe der Amerikaner, die in dem kleinen Wald oberhalb unseres Feldes ein Manöver hatten, und mich mit dem Jeep ins Krankenhaus brachten habe ich mein Bein behalten. Später hat meine Oma dafür gesorgt, daß ich regelmäßig zur Unterwassermassage und Gymnastik nach Wiesbaden kam. Ich habe von meinem dritten bis siebenten Lebensjahr eine Schiene, Leder und Stahlgerüst, getragen und dann wollte ich nicht mehr, die mußte immer wenn ich gewachsen war erneuert werden und das war der Augenblick, meine Chance. Dumm war ich, gar nichts wäre geblieben, heute laufe ich meine Schuhe schief. Aber meine Eltern gaben nach und liesen keine neue Schiene anfertigen.

Ich hatte meine erste oder zweite Gipsschiene in meinem Reich über dem Pferdestall als Bleistiftschale in Benutzung. Ich denke, daß die meine Oma aufgehoben hatte, die hob alles auf. Meine Mutter kam selten dahin, aber an einem Tag als sie hochkam, sollte ich etwas aufschreiben, also nahm ich einen Stift aus der Schiene. Als sie sah, was ich da als Bleistiftschale benutzte, war sie entsetzt. So schnell konnte ich nicht reagieren, wie sie den Inhalt auf meinen Tisch gekippt hatte und diese Schiene liquitierte.

Ich war sprachlos, sah ihr hinterher wie sie mit der Schiene über die steile Treppe verschwand. Es wurde nicht mehr darüber geredet, es war als hätte diese Schiene nie existiert.

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Für alle die über meine Seite fallen. Ich liebe dieses Fest, die geschmückten Strassen in der Stadt, die Leute die nach Geschenken suchen und die Musiker auf der Straße.

Ich weiß nicht ob jemand in dieser Zeit schon mal in Frankfurt auf der Zeil, die jetzt Fußgängerzone ist, war, in dieser Zeit ist sie einmalig oder in Mainz auf dem Weihnachtsmarkt. Aber ich denke jede Stadt hat so etwas an Weihnachten.

Dabei sind es nicht die Geschenke, sondern die Art wie sie angeboten werden, die Stimmung, die erzeugt wird. Auch wenn man nicht das Geld und auch keine Kreditkarte zieht, was ja Sinn dieser Aktion der Kaufleute ist, kann man diese Stimmung in sich ziehen. Ich geniesse es an langen Abenden in meiner eiskalten Bude zu sitzen und,wie jetzt, mich vorzubereiten auf das Fest.

Am heiligen Abend werde ich mir ein paar Plätzchen backen, dan riecht es toll nach Christbaum und Fest. Jeder von meinen Hunden bekommt ein paar tolle Knochen und wir machen einen langen Spaziergang, sie lieben es mit mir durch die Berge zu wandern.

Das Halbjahreszeugnis kam und ich war mit mir zufrieden, kann man wohl sagen, ich wurde Klassenbeste und klopfte mir auf die Schulter. Als Belohnung von der Schule, bekamen die Besten aus dem Kreis Wiesbaden eine Reise nach Berlin geschenkt, war das vielleicht nichts, toll? Ich wußte nichts von diesem Preis und es hatte auch wohl keiner damit gerechnet, daß ich so ende.

Vorher war aber noch eine Klassenausflug nach Hinterzarten mit unserer Lehrerin Frau Axler auf dem Plan und das war im Winter.

Jetzt waren aber erst mal Ferien und ich dachte weder an das eine noch an das andere. Ich half meiner Oma im Garten und wie immer wenn es fast dunkel war kam der Satz….wir müssen noch gießen. Also Gießkanne geschnappt und an den Bach zum füllen. Manchmal haben mein Bruder, Norbert, mein Cousin, Franz und ich auch Fußball gespielt. Ich war im Tor und zum Glück hatte es nicht die normale Größe.

Mein Bruder war später dann bei der Jugend von den Kastelern Fußballern, trotz dem Widerstand meines Vaters, der gegen jeden Verein war. Er hatte die Kriegszeit immer noch nicht verarbeitet. Er war in der Hitlerjugend und sehr sportlich, eins in Sport fünf in Mathe, ich weiß nicht, er hat nie darüber gesprochen aber seine Erfahrungen müssen mehr wie negativ gewesen sein und er hat alles in sich vergraben.

Mein Bruder, Franz, Norbert und ich haben gemeinsam so manche Jugendstreiche ausgeführt und Spiele gespielt. Ein paar Jahre früher habe ich mal Indianerzelte gebaut und wir spielten mit Ausdauer dieses Spiel. Ich hatte dafür eine Menge Kartoffelsäcke von der Genossenschaft zerschnitten und vernäht, dazu hat mein Vater nichts gesagt. Nachdem wir von der Presse fotografiert worden sind, Wiesbadener Kurier, mußten wir sogar gegen die Indianer vom Fort Biehler auf den Kriegspfad gehen. Dabei hat mir einer mit seinem Tomahawk an der Hand verletzt. Ich bin zu meinem Vater mit der blutenden Hand gerannt, der hat sie dann vescheucht. Sie haben sich in einem Werkzeugschuppen versteckt, blöd wie sie waren, das war wie eine Falle und mein Vater hat sie nicht mehr rausgehen lassen, ohne daß sie zusichern uns in Ruhe zu lassen.

Die Ferien waren am zu Ende gehen und so ziemlich am letzten Tag habe ich meine Periode bekommen, ich wurde erwachsen. Ich habe sie immer gehaßt, aber so ist die Natur.

Als wir wieder in der Schule waren, gab es einige Neuigkeiten. Die erste war, daß die Schuljahre auf neun verlängert wurden und alle jetzt mindestens 12 Jahre in die Schule gehen mußten. Der Schulanfang wurde vom Frühjahr auf den Herbst verlegt, das heißt nach den Sommerferien fing das neue Schuljahr an. Was aber weitaus schlimmer war, Frau Axler hatte endlich einen Mann gefunden, heiratete und verließ bald die Schule. Sie versammelte uns um sich und brachte es uns schonend bei…blöde Frage von mir:’…und was machen sie mit Ihrem Haus?’ Sie hatte uns mal mitgenommen, sie wohnte in den Bergen hinter Eltville mit einem tollen Blick über das Rheintal. Der Mann lebte aber in Frankfurt und da würde sie wohl auch hinziehen.

Wir verbrachten die Wochen, die uns blieben bis wir nach Hinterzarten abfuhren mit eifrigen Lernen und ab und zu auch nachdenklichen Momenten. Wir mußten unsere ersten Bewerbungen schreiben und Nachmittags bei den Firmen vorstellig werden die Lehrlinge suchten.

Ein Tag wurde ich zum Rektor zitiert, ich war mir keiner Sache bewußt oder? Ungeduldig wartete ich bei seiner Sekretärin, die scheißfreundlich war, verdächtig? Es ging um die Reise nach Berlin, zum Glück, den Termin. Ich dachte schon es ging um den letzten Scherz von mir in der Küche.

Wir hatten alle zwei Wochen samstags Kochunterricht und ich war Tischmutter von meiner Gruppe. Im Sinne der Emanzipation hatten die Jungs Werken und die Mädchen Kochen mit Ausnahmen, aber nur von der Seite der Jungs. Da gab es zwei Jungs die Koch lernen wollten und die kochten mit uns und einer war in meiner Gruppe, der durfte die Zwiebeln, Kartoffeln schälen und all das was ich als unangenehm empfand. Wir waren immer fünf in einer Gruppe und wir erlaubten uns einige Scherze mit den Herren der Schöpfung. Na, und letzte Woche hatten wir Freddy, so richtig schön auflaufen lassen.

Uschi und ich schrieben unsere Bewerbungen und die Berater vom Arbeitsamt sahen mit uns die Unterlagen nochmal durch. Wir bekamen Adressen von Firmen die Lehrling, Auszubildende, suchten und nachdem wir auch unseren Lebenslauf in der Schule geschrieben und korrigiert hatten, gingen wir auf die Firmen los.

 

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