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So sah die Straße wo ich geboren bin in der Zeit aus, es hat sich zeitdem viel geändert.
Wir hatten eine neue Klassenlehrerin bekommen, Frau Axler, die war eine Wucht. Ich kam toll mit ihr zurecht, sie ließ mir einen gewissen Entscheidungsspielraum in meinem täglichen Aktionen, sie machte es so geschickt, daß ich nicht merkte, daß es nur unwesentliche kleine Sachen waren für die wir unser nein oder ja geben konnten.
Das erste Mal wollte ich keinen Weihnachtsengel basteln, fand ich albern und auch nicht schön. Sie ließ mich und meinte zu den anderen:’….wenn die Irm nicht will, dann ist das in Ordnung.’. Ich war total erstaunt, ich brauchte diesen Goldengel nicht zu machen. Ein Entfremdungseffekt, der gut getan hat, endlich jemand der meine Entscheidungen akzeptierte.
In Mathe hatten wir jetzt Algebra, es ist nicht zu fassen, es lag mir und ich wurde richtig gut.
Das Schuljahr flog an mir vorbei. Meine Freunde und ich verbrachten einige schöne Momente miteinander.
Meine Freundin hate einen wesentlich älteren Bruder, der mit seiner Lebensgefährtin in der Wohnung über ihr wohnte. Er war sehr nett und akzeptierte mich so wie ich war.
Ursula wollte Friseuse lernen und hatte auch beim Praktikum was wir in der Berufsschule machten gute Referenzen von den Lehrern bekommen. Was man von mir nicht sagen konnte, sie meinten der Kopf des Kunden wäre bei mir in Gefahr, weil er unter eine Hämmermaschine kommen würden. Nun denn, ich wollte nicht bei einem Friseur in die Lehre gehen sondern Tankwart lernen. Tankwart, weil ich in den letzten Jahren immer mal bei meinem Onkel an der Tankstelle ausgeholfen hatte.
Wir waren aber noch nicht so weit, wir hatten noch ein bißchen Zeit uns in der Schule auszuruhen.
Ich war in dieser Zeit oft mittags bei Uschi. In der Schule hatten wir jetzt eine Sexualstunde, es war interessant und manchmal aber auch zum Lachen. Nach dieser Stunde in der Woche arbeiteten wir die Details mit Lexikon nach. Meine Eltern waren zwar noch jung aber damit hatten sie es nicht, war ein schwieriges Thema für sie. Die Eltern von meiner Freundin waren schon ein älteres Semester und überliessen dieses Thema gerne der Schule und mit Sachen die wir nicht verstanden hatten, gingen wir zu ihrem Bruder, der sich über uns nicht lustig machte, sondern sachlich antwortete. Heute denke ich, wenn wir zwei wieder gegangen waren, hat er bestimmt gelacht.
Was auch Spaß machte war Geschichte. Wir waren bei der französischen Revolution angelangt und unser Lehrer war anscheinend von diesem Ereignis der Geschichte so angetan, daß er uns diesen Zeitabschnitt gut nahebrachte. Ich war begeistert von den Ideen der Revolutionäre. Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte vom 26. August 1789, die die Demokratie und Freiheit in Frankreich begründet, hat mich tief beeindruckt und beeinflußt.
Ich habe mich damals noch nicht für Politik interessiert, was sich aber langsam und deutlich ändern sollte.
In Sozialkunde bekamen wir den Staat, ein Teil unseres Grundgesetzes, Artikel 1 bis 13, erklärt, der Staat war langweilig, aber die Grundrechte, die wir hatten nicht. Sieh mal einer an, da gab es eine Artikel 3, Gleichheit, wo wird das bei uns praktiziert. Mein Vater sagte mir ständig:“… solange du deine Füsse unter meinen Tisch streckst, hast du zu machen was ich sage…!“, meine Mutter:“…werde erst mal erwachsen, dann kannst du entscheiden was du machst aber jetzt spülst du das Geschirr…!“. Wo wurde man hier als gleichberechtigt behandelt.
Es ist zwar wahr, daß das Leben am Anfang fast nur aus Verboten besteht, vielleicht aus der Angst der Erwachsenen, die die Gefahren kennen, daß etwas passiert aber es wird von ihnen auch langsam akzeptiert, daß man erwachsen wird. Ich fühlte mich mit fast 15 schon recht alt und traf einige Entscheidungen allein, die ich aber nicht durchsetzen konnte, weil meine Eltern grundsätzlich dagegen waren.
Nun denn, es gab einen Staat, der war eigentlich ich, der hatte seine Regeln, verankert im Grundgesetz. Es gab auch Politik und die ist bestens erklärt mit einem Witz, den ich gelesen hatte:
„Papi, kannst du mir erklären, was Politik ist?“ „Ja natürlich! Also………. am besten, wir nehmen Beispiele. Ich bringe das Geld nach Hause. Also bin ich der Kapitalismus. Mami sagt, wofür es ausgeben wird. Sie ist also die Regierung. Wir kümmern uns beide um dein Wohl. Also bist du das Volk. Unser Dienstmädchen ist die Arbeiterklasse. Dein kleiner Bruder, der noch in den Windeln liegt, ist die Zukunft. Das alles zusammen ist Politik. Hast du das verstanden?“ „Ich denk’ drüber nach. Schlafe am besten ‘ne Nacht drüber.“
Nachts wird er wach. Sein kleiner Bruder hat in die Windeln gemacht und schreit. Der Junge steht auf und geht ins Elternschlafzimmer. Die Mutter ist im Tiefschlaf und absolut nicht wachzukiegen. Er geht zum Zimmer des Dienstmädchens, hört Geräusche und schaut durchs Schlüsselloch: Papi und das Dienstmädchen lassen sich auch durch sein Klopfen nicht bei ihrem Tun stören. Frustriert geht er zurück ins Bett.
Am Morgen fragt sein Vater, ob er denn jetzt weiss, was Politik ist. „Na klar! Der Kapitalismus mißbraucht die Arbeiterklasse, die Regierung schläft tief und fest, das Volk wird völlig ignoriert und die Zukunft steckt total in der Scheiße.“
Das Kind ist echt gut, soweit war ich noch nicht aber was nicht ist kann noch werden. Auf jedenfall mußten wir diesen Stoff lernen, weil wir auch Tests schrieben, war aber kein Hauptfach, zum Glück.
Ich wühlte in alten Fotografien, die ich von meinem Vater geerbt hatte.
Er hieß Volker, war ein Jahr älter wie ich und wir gingen in die gleiche Schule. Er war ein Kopf größer, dunkle Haare, schlank und sportlich, obwohl ob er das war, weiß ich nicht mehr so genau.
Er hatte Unterricht ein Klassenraum weiter und in den Pausen sahen wir uns immer, der Schulhof war damals noch in Mädchen und Buben getrennt. Nach der Schule eines Tages sprach er mich direkt an, ob ich seine Freundin werden will. Sicher wollte ich, ich fand ihn toll.
Meine Eltern hatten einen Bauernhof außerhalb der Stadt und immer wenn er konnte, kam er mit dem Rad zu mir gefahren. Wir hatten viel zu erzählen und ab und zu tauschten wir ein paar Küße aus. Ich hatte am Rande von einem Feld noch ein Indianerzelt gebaut, eins von vielen, was ich gebaut hatte und hier war unser Platz.
Die Küsse schmeckten und es kam schon ein Gefühl auf, daß es noch mehr gab. Es gibt dafür eine wissenschaftliche Untersuchung, die Reize bei einem Kuß entstehen durch die Reibung der Schleimhaut der Lippe und läßt die Bakterien auf die Wanderschaft gehen. Na also dann, wir wußten warum und was passiert.
Wir waren noch zu unerfahren um uns weiter zu erforschen, aber ich denke es war auch besser so.
Den ersten Krach hatten wir auch, war eine schlimme Sache. Ich hatte Volker als wir in die Pause gingen die Klassentür an den Kopf gestoßen und er fand das nicht lustig. Als er mit seinem Rad angefahren kam, wollte ich nicht mit ihm reden, weil er mich vor den Anderen zur Rede gestellt hatte. Meine Schwester fand das albern und vermittelte und es funktionierte.
Ein paar Wochen später entdeckte ich, daß Angelika, eine Freundin von uns, im Bus ein kleines Briefchen von Volker laß, was war den das? Als wir an der gleichen Haltestelle ausstiegen, wollte ich von ihr den Brief, den sie nicht freiwillig herausrückte. Ich nahm ihren Arm, in der Hand hielt sie den Brief fest, und drehte ihn bis sie den Brief losließ. Ich nahm ihn und verschwand. Heulend lief Angelika nach Hause, hatte weh getan, aber war mir im Moment egal.
Ich ging in die Küche bei uns, warf die Schultasche in die Ecke und begab mich in mein Indianerzelt. Dort nahm ich den kleingefalteten Brief von Volker an Angelika und begann zu lesen. Was eine Pleite, das war nicht der erste Brief, er wollte wissen wo sie sich treffen können, weil hier bei uns auf dem Land würde ich es merken. Angelika wohnte gegenüber und ihr Vater hatte eine Gaststätte, wo wir oft waren, der BMW-Club feierte seine Feste im Garten der Gaststätte und an den Feiertagen trafen sich die Bauern mit ihren Familien dort.
Ich war haltlos unglücklich über den Brief und ging deprimiert wieder ins Haus zurück, sowas nennt sich nun Freundin, sie machte mit meinem Freund rum.
Als Volker wieder zu mir kam, stellte ich ihn zur Rede, er gab es zu und es tat ihm noch nicht mal leid. Wie sagt ein Sprichwort so schön: Reisende soll man nicht aufhalten. So einfach gesagt, aber ich habe ihn trotzdem vor die Wahl gestellt. Er versuchte zu erklären warum und wieso und, und, aber ich hörte schon garnicht mehr richtig zu, es war vorbei, durchschoß es mein Gehirn. Ich stand neben ihm und sah ihn trotzdem weit entfernt.
Ich verabschiedete mich, mit dem nichtsagenden: ‘Wir werden uns sehen’ und ging zurück ins Haus. Ich war müde und ging auf mein Zimmer, warf mich mit den Klamotten aufs Bett und schlief voll ein.
Niemand weckte mich, als ich wach wurde war es Zeit für in die Schule zu gehen. Ich zog mich um und wortlos trank ich meinen Kakao und aß was. Meine Mutter und Vater ließen mich gehen und ich ging zur Bushaltestelle. Dort sah ich Angelika, die mit Triumpf in den Augen mich musterte. Ich spielte die Gleichgültige und war aber zutiefst verletzt gegen sie verloren zu haben.
In der Schule während der Pause sah ich über Volker hinweg, ich wollte ihn nicht sehen und er fühlte sich anscheinend auch besser so.
Ich war vor lauter Anstrengung nicht die Fassung zu verlieren auf dem Heimweg mit dem Bus hundemüde. Mama hatte den Fisch gemacht, den ich gerne esse aber heute ging er nicht an mich. Ich stocherte mit der Kabel auf dem Teller herum und hatte keinen Appetit. Sie beobachtete mich und sah mich mitleidig an.
Ich ging in mein Zimmer und machte die Hausaufgaben, ablenken war angesagt. Ich hatte keine Lust rauszugehen und hörte Musik. Meine Schwester mußte meine Eltern über die Trennung von mir und Volker erzählt haben, jemand anders fiel mir nicht ein. Ich lag auf dem Bett und sah ohne Gedanken und wie ein Stockfisch auf die Decke über mir, sie bekam gleich Löcher.
Wir bekamen bald Zeugnisse und unsere Lehrer hatten noch einen gewissen Nachholbedarf an Klassenarbeiten, die sie auch noch vor den Zeugnissen korrigieren mußten. Damit war ich in den letzten paar Wochen vor den Ferien ausreichend beschäftigt.
Irgendwann sagte meine Mutter zu mir, daß die Zeit die Liebe vergessen läßt. Ich fragte mich nur wann. Wenn ich ihn auf dem Schulhof sah mußte ich mich immer noch böse zusammenreißen, daß er nicht mein Herz klopfen hörte. Er sah gut aus, war ausgesprochen nett und kam bei den Mädchen an, das war es halt.
Wenn nicht jetzt, wäre es bestimmt auch später in die Brüche gegangen, weil ich eifersüchtig bin und nicht bereit war meinen Platz mit einem anderen Mädchen zu teilen. Aber auch wenn ich mir all dieses vor die Augen hielt, ich war immer noch am Boden.
Die Zeugnisse kamen wie immer mit größter Sicherheit und danach die Ferien, dieses Mal konnte ich es nicht abwarten, ich meine die Ferien. Aber diese Niedergeschlagenheit ließ so langsam nach, es waren jetzt vier Wochen seitdem ins Land gezogen und ich beobachtete ihn schon mit etwas Abstand während den Pausen. Schade, dachte ich einmal, wir hätten ein schönes Paar gegeben, aber einseitige Gefühle tun weh, ich war schon mit meinen 14 Jahren ein ziemlich realistisch denkender Mensch.
Stell dich mal neben dich und beobachte wie du bist. Kommt nichts Gutes dabei heraus und es funktioniert nur mit schon abklingenden Gefühlen, das habe ich allerdings erst später festgestellt. Schreie unter der Durchführung einer S-Bahn deine Gefühle aus dem Herz, vergrabe nichts, denn es ist nicht gesund für mich. Ich habe damals unbewußt, instinktiv genau so reagiert, zuerst bin ich in ein tiefes Wasser gefallen und dann fing ich an zu schwimmen. Ich war auf dem Weg zu meinem Ufer, mein Rezept war die Schule, die mit ihren Aufgaben den Schwimmlehrgang lieferte, ich konzentrierte mich auf meine Arbeit und deckte mich damit zu und danach hörte ich meine Musik um entspannt Löcher in die Decke über mir zu kucken. Ich schrie mit The Beatles, The Rolling Stones, The Doors und anderen Gruppen, die ich immer noch gerne höre.
Die Ferien kamen und auch die Zeugnisse, Klopapier mit Geisterschrift, für Volker war es das letzte Schuljahr und nach den Ferien war er nicht mehr bei uns in der Schule. Damit war der tägliche Kontakt unterbrochen und ich hoffte, daß es ich ihn dann ganz aus meinen Gedanken vertreiben konnte.
In den Ferien machten wir, meine Gewschwister und ich, mit unseren Fahrrädern im Feld Wettrennen, halfen unseren Eltern bei der Ernte und machten all das was wir während der Schulzeit nicht machen konnten.
Angelika war auch bei Volker aus dem Rennen, so ganz nebenbei steckte sie es mir, während einer Radfahrt ins Bürgerhaus, wir wollten zur Jugenddisco. Sie meinte wohl, daß wir hier irgendetwas Gemeinsames hatten, dabei hatte sie vergessen, daß jede Freundschaft seine eigene Note hat. Ich habe nichts Gemeinsames zwischen uns gesehen und habe zu dem was sie über Volker erzählte nichts hinzugefügt. Ich ließ sie ins Leere laufen und sie hörte auf zu reden.
Während ich der Musik der Beatles in der Disco zuhörte, dachte ich nur eins:…. diese blöde Kuh, erst spannt sie mir meinen Freund aus und nun meint sie, weil er sie auch gelassen hat, bei mir einen Gesprächspartner, die Hinterlassenen von Volker, gefunden zu haben. Ich glaube, die tickte nicht mehr richtig.
Ich sah meinen Alterskameraden zu wie sie sich bei der Musik anmachten und den befreundeten Paaren, sieht alles schön aus aber wie ist es wirklich. Ich war nicht scharf drauf mich bei dieser Anmache zu beteiligen, ich bin mit den anderen ins Bürgerhaus, weil die eine tolle Anlage hatten und die Musik sich super hören ließ.
Die Ferien gingen vorbei und die Schule fing wieder an, daß war unsere Arbeit in dieser Zeit und ich habe sie ernst genommen. Ich war soweit wieder ‘ok’, mein Appetit war wiederhergestellt, meine Laune und Launen auch, und ich ging lustig und ruhig weiter auf meinem Weg zu neuen Taten.
Sie hat von ihren Geschwistern einen Geburtsschaden, die drei Kolosse und ein etwas kleinere, haben auf ihr gelegen und ihr das Rückgrad verkrümmt. Was habe ich eine Arbeit geschafft sie am Leben zu erhalten. Meine Hündin war ein Jachthund und wurde von Jägern mitgenommen. Ich stand von heute auf morgen mit fünf kleinen Hunden allein aber sie haben überlebt.
Sie hat vier Brüder, die alle größer und stärker sind, diese Mannen schaffen es aber nicht sich gegen diese kleine Hündin durchzusetzen. Wenn ich das Essen rausbringe, grast sie als erste die Töpfe ab und sucht die leckeren Sachen, die Männer warten.
Verstehe wer will, sie ist gut, nehmen wir uns ein Beispiel an ihr, sie weiß sich zu behaupten.


